Es gibt Landschaften, die den Eilfertigen verborgen bleiben, und doch tragen sie in sich eine Fülle des Merk- und Betrachtungswürdigen, die dem stillen Beobachter reiche Ernte verspricht.
Es ist wahrlich ein eigen Stück Erde, dieses Vogtland, welches sich im Südwesten des Sachsenlandes entfaltet, gleich einem Tuch, das die Natur kunstfertig gewoben und mit mancherlei Zierrat versehen hat.
Landstrich in der Kugelrundschau — Elstertal
Nun liegt es vor uns ausgebreitet, das Vogtland, mit seinen sanften Tälern und bewaldeten Höhen, und den stillen Dörfern, die sich wie verschlafene Katzen an die Hänge schmiegen.
Wer mit wachen Sinnen durch diese Gefilde streift, dem erzählen Buchen und Fichten, Spuren im Fels, und alsbald auch der Fuchs von jener bewegten Vergangenheit, die das Vogtland geformt hat. Von den keltischen Siedlern der Frühzeit über jene mittelalterlichen Reichsverwalter, den Vögten, die einst als des Kaisers „Advocati“ über diese Landstriche geboten, bis zur Teilung nach dem zweiten großen Kriege, die hier eine schmerzhafte Narbe durch das Fleisch des Landes zog.
Etymologie
Vogtland — das Land der Vögte. Jene kaiserlichen Reichsverwalter, die im Mittelhochdeutschen als „Vogt“ bekannt waren, gaben dieser Landschaft ihren Namen.
Vögte zu Weida • Plauen • Gera
Der Name dieser Landschaft, die sich zudem über Teile Thüringens, Frankens und Böhmens erstreckt, kündet noch von jenen Vögten, die einst als des Kaisers getreue Diener in diesen östlichen Marken zu walten hatten.
Und wie der Mensch, so hat auch die Natur hier ein wunderliches Spiel getrieben mit ihren vulkanischen Kräften, hat Schiefer gefaltet und Granit emporgehoben, treibt heiße Quellen und schickt noch heute gelegentlich ein leises Beben durch den Boden, als wolle sie sagen:
„Es harren noch Blätter der Feder des Schicksals!“
So treffen sich in diesem kleinen Fleckchen Erde die großen Linien der Geschichte mit den flüchtigen Lebenswegen seiner Erdenkinder, der Wandel der Zeiten mit scheinhafter Beständigkeit. Wer das Vogtland besucht, der begegnet nicht nur einer Region – er begegnet einer Seele, versteckt zwischen Mittelgebirgen, bewahrt in den Falten einer bewegten Landschaft.
Bezirkskunde geleitet dich zu neuen Perspektiven dieser vogtländischen Gaue. Es ist eine Reise, auf der man jenem Geiste begegnen mag, der in der Stille der Wälder und Mauern wohnt und der dem Eilfertigen fremd bleibt, dem Verweilenden aber ein freundlicher Gefährte wird.