Vom Osten in der Weststraße

Es hat sich in Plauen, dort, wo die Weststraße sich zum Stadtkern hinzieht, ein merkwürdiges Kleinod eingefunden. Der „FreiRaum“, wie ihn der Volksmund nennt, hat sich in jenen Mauern niedergelassen, die in früheren Tagen schon mancherlei Schicksale gesehen haben mögen.

Einstmals, so will es die spärliche Überlieferung, mag hier die „Deutsche Flotte“ vor Anker gelegen haben – freilich nicht als schwimmendes Gefährt, sondern als Gastlichkeit spendende Stätte unter der Ägide des wackeren Herrn Louis Buschner. Und eben hier ward im Frühjahr des Jahres 1903 der „1. V.F.C. 03 Plauen“, des Vogtlandes ältester noch bestehender Fußballverein, mit feierlichem Handschlag aus der Taufe gehoben.

Eine gute Dekade später dann, in düsteren Jahren des eisernen Sturmes, diente es als Soldatenheim des Wohlfahrtsausschusses zu Plauen, allwo die Männer in feldgrauem Tuche Trost fanden und kurze Rast von den Beschwerden des Kriegshandwerks.

Hundert Jahr entgleiten uns, als wären sie nichts mehr als ein flüchtiger Seufzer im ewigen Atem der Zeit.

Wer heute durch die Pforte tritt, findet sich in einem ostalgischen Erinnerungshort wieder, die der jetzige Besitzer, ein gewisser Herr Hegner, mit feinsinnigem Gespür für das Vergangene eingerichtet hat. Die Ferienwohnung im Hochparterre des FreiRaum-Ensembles führt den Gast zurück in jene Jahre, da die Menschen nach dem zweiten Weltenbrand mit neuem Mut und frischen Farben ihre Heime schmückten.

Hier ein Lehnstuhl in altvertrauter Polsterung und dort ein Sekretär für die Korrespondenz – Mobiliar und Hausrat aus volkseigenen Betrieben der DDR verwehen den Hauch längst vergangener Abende, da man noch beim Klange eines Rundfunkempfängers aus Staßfurt den Tag beschloss.

So möge man hier, in der Ferienwohnung „Westbesuch“, sein Haupt niederlegen und bei einer Tasse heißen Wohlbehagens aus dem Kaffee-Tee-Automaten der VEB Elektromechanik Gedanken nachhängen, wie sie nur an solchen Orten gedeihen können.

ferner sei anheimgestellt: